
Der Nationalpark Queulat liegt in der Provinz Aysen, auf 44.22 Grad südlicher Breite und 72.25 Grad östlicher Länge. Seine Hauptattraktion, der hängende Gletscher, ist nur 15 Minuten von der Anlegestelle der Puyuhuapi Lodge & SPA an der Carretera Austral entfernt am Westhang der Anden zu finden. Der Gletscher schiebt sich über den höchsten Berg des Parks, den 2255m hohen Alto Nevado. Aus seinen hängenden Eismassen ergießt sich ein beeindruckender Wasserfall.
Der Jesuit José Garcia Alsué entdeckte dieses Naturwunder 1767, als er eigentlich auf der Suche nach der mythischen Stadt der Césares war. Laut den Legenden der Ureinwohner schallten von dort Kanonenschüsse und Glocken von der anderen Seite der Anden hinüber.
Seit dem 13. Oktober 1983 besteht der Nationalpark unter der Aufsicht der chilenischen Forstbehörde. Auf 154.000 Hektar finden sich hier Urwälder, Fjorde, Flüsse, Gletscher und Eisfelder. Felsige Hänge, tiefe, zerklüftete Täler gigantische Schnee- und Firnmassen sind Zeugen der Gletscherbildung Tausender von Jahren. In seiner Beschreibung aus dem Jahre 1875 gibt der Seefahrer Enrique Simpson die Entfernung vom Meeresufer zum Gletscher mit 100 Metern an. Heute beträgt sie ganze acht Kilometer.
Der Moränenwald gibt Hinweise auf die Bewegung des Gletschers. Obwohl er hunderte von Jahren alt ist, wirkt er niedriger und jünger. Auch die Moose und Flechten auf den Felsen deuten darauf hin, dass der Wald gerade beginnt, sich zu regenerieren.
Das Klima im Park ist feucht und das ganze Jahr hindurch fällt reichlich Niederschlag - zwischen 3500 und 4000ml. Je nach Gebiet variiert die Durchschnittstemperatur zwischen vier und neun Grad.
Der Park ist reich an Flüssen und Lagunen: Da sind neben dem Queulat der Ventisquero, der aus dem Gletscher entspringt und in den Puyuhuapi-Kanal mündet, der Bordalí, der Guillermo, der Cisnes und der Pedregoso. Von den Lagunen ist neben La Rosada und El Acantilado vor allem Témpanos zu erwähnen. Sie liegt zu Füßen des Wasserfalls, der aus dem Gletscher stürzt und erscheint auf Grund ihres Mineralreichtums in milchigem Grün. Ihren Namen verdankt sie den Eisschollen aus dem Gletscher, die noch bis vor einigen Jahren auf dem Wasser trieben.
Der Haupt-Wasserfall stürzt aus dem Hängenden Gletscher auf eine Felswand, an deren Fuß sich im Laufe der Jahre durch Lawinen und herunterfallende Eisbrocken Geröll angesammelt hat. Der Lärm, wenn ein Stück Eis aus dem Gletscher bricht, fasziniert die Besucher immer wieder.
Verschiedenste Tiere und Pflanzen sind in dem immergrünen Wald heimisch. Hochgewachsene Coigües, Tepas, Lumas mit ihren weißen, rundenblättrigen Blüten, Arrayanes, Tineos, die kleine, rote Früchte tragen, Mañios, der Magnolienbaum, der heilige Baum der chilenischen Ureinwohner und Ciruelillos. Im Unterholz finden sich verschiedenste Farne, Coicopihues mit glockenförmigen Blüten, Orchideen, Schlingpflanzen, die mit dem Bambus verwandten Quilas, Magallan-Fuchsien und immer wieder die ausladenden Blätter des Riesenrhabarbers.
Schwarzspechte leben in den Bäumen ebenso wie Kolibris, chilenische Tauben, Großtrappen, Hued-Hueds, kleine Smaragdsittiche, Eisvögel, verschiedene Enten und Rotkehltapaculos (Chucao). Im Unterholz verstecken sich Pudues, die kleinsten Hirsche der Welt, Magellanfüchse, Pumas und chilenische Waldkatzen. Im und um den Queulat-Fjord und den Puyuhuapi-Meerbusen tummeln sich Seehunde, Delfine und viele Meeresvögel, zum Beispiel Reiher und wunderschöne Schwarzhals-Schwäne.
Es ist eine einzigartig schöne Erfahrung, auf den Wegen dieses Waldes zu wandern, begleitet vom Rauschen des Wassers und vom Gesang der Vögel, und immer wieder von neuen Anblicken bezaubert zu sein. Einige der empfohlenen Routen sind:
- Aussichtsroute Hängender Gletscher, Tempanos-Lagune, Padre Gacria-Fall am Queulat-Pass, Guillermo Fluss, Verzauberte Wald und Lagune Los Pumas. Andere Attraktionen neben den Gletschern sind der Condor-Fall und der Queulat Pass, der höchste Punkt der Carretera Austral.